Auf den Hund gekommen
Die folgende Geschichte habe ich selber geschrieben und mit dieser am 2. Literaturwettbewerb (Thema: Die zweite Chance) bei evas-rippe.de teilgenommen. Ich bedanke mich, dass ich dadurch Spaß am Schreiben bekommen habe und das ich diese kleine Geschichte über meinen Weg hin zum Dackel hier eintragen kann:
Soll ich es zugeben? Ich habe im Internet gesucht – nach meiner 2ten Chance, nach einem neuen Partner.
Meist allerdings habe ich im Internet dann nur Männer kennengelernt, die ihre 10te bis 20ste Internetaffaire noch nicht verdaut hatten, aber auch ein paar, die nach 10 Minuten in irgendeinem Café gesagt haben,“der Funke ist bei uns nicht übergesprungen.“ Zahlen, gehen, sich gegenseitig Glück wünschend und ab nach Hause und an den Rechner.
Jeder sucht scheinbar nach dem Traumpartner,hat man den gefunden, hat man den meistens nicht alleine. Würde man das Suchverhalten im Netz auf die Zeit vor dem Internet anwenden, so würde das bedeuten: Ich gehe jetzt mit Dir (altmodischer Ausdruck), aber ich gehe jeden Tag los, um noch etwas anderes, besseres zu suchen.
Geschichte 1:
Ich lernte, ich nenne ihn jetzt mal Karl, im Sommer im Internet kennen, wir haben mehrere Wochen gemailt und fast täglich mehrfach telefoniert.
Obwohl wir uns visuell nur vom Foto kannten bzw. vom Telefon,schmiedeten wir Zukunftspläne,
eigentlich war Karl gar nicht mein Typ, seiner war ich wohl auch nicht, ich bin etwas zu klein für mein Gewicht und er wohl zu gross für seins,aber die Sympathie hatte gewonnen.
Also wollte ich Karl unbedingt besuchen, ein reales Treffen herbeiführen, ohne das wir es verabredet hatten und ich versuchte ihn telefonisch das ganze Wochenende zu erreichen,ohne Erfolg. Nach dem Wochenende rief mich Karl an,und erklärte (auf Nachfrage), er hätte das Wochenende mit einer anderen Frau aus dem Netz verbracht,aber am nächsten Wochenende könnte ich dann ja kommen. Ich bin dann lieber Zuhause geblieben, es war ja Sommer – und im Sommer hofft man noch. Übrigens sucht Karl immer noch im Internet.
Geschichte 2:
Nennen wir ihn einmal Helmut. Er schreibt mich an und findet alles toll an mir. Mein Foto findet er atemberaubend, er spricht von Liebe auf den ersten Klick, er schickt dutzende Mails am Tag, er träumt davon, mich endlich kennen zu lernen und mit mir alt zu werden. Wir telefonieren, er ist begeistert, findet mich witzig, belesen, intelligent und einfach traumhaft. Er fragt sich, wo ich mich die letzten 30 Jahre versteckt habe, wenn er eine solche Frau kennen gelernt hätte als er jung war, was hätte er mit einer solchen Frau an seiner Seite schaffen können. Kumpel & Frau zugleich, die perfekte Mischung. Ich sauge, ausgehungert, jedes Wort auf und freue mich: Ich habe ihn gefunden. Wir kleben uns gegenseitig Herzchen an die Profile und machen kund, wie glücklich wir sind. Wildfremde klicken auf unsere Profile und „freuen“ sich mit uns. Dann endlich – wir verabreden ein Treffen, er wohnt in Mainz, ich in Lübeck. Da will ein Treffen gut geplant sein. Er ist Koch und betont, er habe kein Problem, nach Lübeck zu ziehen. Volltreffer – die Welt ist schön, ich habe meinen Traummann gefunden.
Ich fahre nach Mainz, sein Auto ist nämlich auf den letzten Drücker kaputt gegangen. Wie schade, aber kein Problem, dann fahre ich eben nach Mainz. Wir treffen uns in einem Cafè. Er ist kleiner als er es mir sagte, aber darüber sehe ich wohlwollend hinweg. Auch die fehlenden Haare übersehe ich stilvoll. Sein Appartement wird renoviert – aber er hat sich die Wohnung eines Freundes geliehen. Langsam werde cih unruhig. Soviele Schiksalsschläge auf einmal, Haarausfall, Auto kaputt, geschrumpft und nun noch die Wohnung nicht betretbar. Ich frage zaghaft nach und er erklärt, dass er meinen Ex-Mann am liebsten erschlagen würde, der mich anscheinend so schlecht behandelt hat und so mein Vertrauen in Männer so zerstört hat. Ich versuche innerlich, mich zu beruhigen. Es klappt nicht. Als er auf der Toilette ist, lege ich mein Geld für die 3 Milchkaffee auf den Tisch, renne aus dem Café, als koste es mein Leben und fahre den langen Weg zurück nach Lübeck. Zuhause angekommen finde ich eine Mail von ihm, wie enttäuscht er von mir sei. Ich habe nicht geantwortet und meinen Nicknamen bei dieser Singlebörse abgemeldet.
Danach erst einmal eine Auszeit. Drei besuchte ü30-Parties später die Erkenntnis, so findest Du nie einen neuen Partner und die nagende Frage in mir, wieder zurück ins Netz?
Was suche ich eigentlich?
Eigentlich nur Jemanden, der zur mir passt. Mit dem ich eine zweite Chance habe für ein glückliches Leben mit Höhen und Tiefen, mit schwarzen, grauen und leuchtend rosaroten Facetten.
Einerseits gibt es Menschen, die lange im Sand der Liebe graben, ohne ein Juwel zu finden. Dann sind da andere, die sich nur zu bücken brauchten und eines in der Hand halten. Und wieder andere werfen es beliebig fort und finden doch an jeder Ecke wieder einen neuen Partner. Unglaublich – aber wahr.
Haben wirklich nur noch ganz wenige Werte wie Partnerschaft und Vertrauen in ihrem Wortschatz ?
Und wenn, wissen diese wenigen, was diese Worte bedeuteten? Hat denn niemand den Mut oder die Zeit, oder die Lust, einen Neuanfang mit nur einem Partner zu machen ?

Ich glaube, ich kauf mir jetzt lieber einen Hund, einen Dackel mit frechem Wesen und diesen herrlich kurzen, krummen Beinen und ich nenne ihn Krümel. Ich glaube, den Weg zurück ins Netz kann ich mir sparen.
So ist aus derSuche nach einer 2ten Chance mit einem Mann einfach der Weg zum vierbeinigen Freund geworden! Ich fühle innere Ruhe und was noch kommen wird, überlasse ich dem Zufall.
Krümel, komm laß uns Gassi gehen!
Lach … es ist wohl genau so wie Du schreibst. Schön, dass Du auf den Dackel gekommen bist, aber mit nem passenden „männlichen Zweibeiner“ wird’s wohl auch noch was werden.
Viel Spaß mit deinem Dackelfreund weiterhin
Christian